Rollentausch

Protokoll einer Regressionssitzung

Todespunkt

Ich komme über den Todespunkt in die Inkarnation. Das einzige, woran ich mich vorerst erinnern kann, ist, dass ich von einer Klippe rückwärts auf einen Felsen gefallen bin und mir das Genick gebrochen habe.

So erkunden wir erst einmal die Inkarnation:

Kindheit

Ich bin ein 8-jähriger Indianerjunge und mit meinem 10-jährigen Bruder in der Prärie auf der Jagd. Wir sind ein Herz und eine Seele, ein glückliches Geschwisterpaar.

Hochzeit des Bruders

Ich bin 23 Jahre alt und an der Hochzeit meines Bruders. Mit versteinerter Miene halte ich mich abseits. Mein Bruder heiratet die Frau, die ich tief und innig liebe! Die Stammesältesten haben es so entschieden, und gegen ihr Wort aufzubegehren käme einer Gotteslästerung gleich. Ausser der Frau weiss niemand von meiner unglücklichen Liebe. Wir haben beschlossen, so zu tun, als ob nichts wäre.

Eine Welle von Schmerz und Zorn übermannt mich. Da ich sie nicht gegen die Stammesältesten richten darf, werde ich wütend auf meinen Bruder, obwohl er gar nichts dafür kann.

An diesem Tag verschliesse ich für den Rest der Inkarnation mein Herz. Ich verliere die zwei liebsten Menschen meines Lebens: Meinen Bruder und dessen Frau, die ich nicht mehr ansehen darf. Bis zu meinem Tod werde ich nicht mehr froh, obwohl es ein gutes Leben gewesen wäre.

Ich heirate eine liebe Frau und bekomme zwei herzige Kinder, doch ich kann mich für die Liebe dieser Familie nicht öffnen.

Gespräche im Seelenreich

Geliebte Frau

Als Erstes rufe ich die Frau herbei, die meinen Bruder geheiratet hat. Bevor ich etwas sagen kann, sagt sie mir: „Nicht in diesem Leben!“

In diesem Moment verwandelt sie sich in eine liebe Freundin aus meinem jetzigen Leben, von der ich mich in vor 3 Jahren getrennt habe. Ich war mit ihr innig verbunden, doch wir glitten in eine Co-Abhängigkeit.

Ich gehe in ein anderes Leben zurück: Wir sind Zwillingsschwestern in einem warmen Land mit üppiger Vegetation. Wir heiraten beide, bekommen Kinder und verbringen unser ganzes Leben glücklich zusammen.

Doch in meinem jetzigen Leben steht Eigenständigkeit an, nicht mehr Symbiose. Deswegen: „Nicht in diesem Leben“, weder damals noch heute!

Diese Erkenntnis trifft mich ins Mark, konnte ich doch diesen Widerspruch zwischen meiner unerfüllten Sehnsucht nach enger Verbundenheit und unserer zermürbenden Co-Abhängigkeit bisher nicht klären.

Ehefrau

Als nächstes rufe ich meine Frau des Indianerlebens. Ich sage ihr: „Du warst die falsche!“ Sie antwortet: „Nein, ich war die richtige!“

Plötzlich wird mir klar, wie nett und fürsorglich diese Frau stets zu mir gewesen ist – obwohl ich ihr gegenüber kalt wie ein Eisklotz war. Ich fange an zu weinen über das, was ich mir und meinen Lieben mit meiner Versteinerung angetan habe.

Ich spreche der Frau gegenüber meine Wertschätzung aus, wie grosszügig sie mir und den Kindern gegenüber gewesen ist, mit ihrer Liebe und Kraft, und wie gut sie die Kinder grossgezogen hat. Auf einmal erkenne ich, dass ich zu der Frau spreche, die ich im jetzigen Leben bin – eine Frau, die, obwohl sie wenig Anerkennung bekommen hat, unbeirrt ihr Bestes gab.

Ich merke, wie ich als Frau die Zurückweisung erlebe, die ich damals als Mann meiner Frau angetan habe! Nur die Einsicht in meine Rolle als Opfer hat mir diese Selbsterkenntnis als damaliger Täter möglich gemacht.

Tochter

Jetzt lasse ich mein Töchterchen im Seelenreich vor meinem inneren Auge aufsteigen. Es sitzt mir auf dem Schoss, streichelt mir über die Wange und bemüht sich sehr um mich – leider umsonst. Ich kann mein Herz für dieses süsse Kind nicht öffnen. Erneut übermannt mich die Trauer über meine vertane Chance.

Plötzlich erkenne ich dieses Kind als meine Mutter aus dem  jetzigen Leben wieder, um die ich mich als Tochter sehr bemüht hatte, die aber aufgrund ihrer ungeheilten Verletzungen ihr Herz nicht öffnen konnte.

Tod

Nach dem tränenreichen Betrauern ist genug emotionaler Druck abgebaut, um mich den Ereignissen vor meinem Tod stellen zu können.

Ich bin 45 Jahre alt und mit meinem Bruder in der Prärie auf der Jagd. Er hat mich dazu eingeladen in der Hoffnung, die Entfremdung zwischen uns auflösen zu können. Er leidet sehr darunter und kann sich nicht erklären, warum ich mich ihm gegenüber so verschlossen habe.

Wir kommen zu einer Klippe mit schöner Aussicht und machen ein Feuer. Wir braten das Kaninchen, das wir gejagt haben. Mein Bruder bietet mir die Hälfte von dem Fleisch an. Diese Geste des Teilens ruft blitzartig den scharfen Schmerz in mir wach, den ich über den Verlust meines Bruders die ganzen Jahre unterdrückt habe.

Ich bin völlig überfordert mit dieser heftigen Emotion, der Schmerz kippt in Aggression um und ich greife meinen Bruder körperlich an. In Notwehr trifft er mich am Kiefer und ich falle die Klippe herunter. Es bleibt ihm nichts mehr anderes übrig, als geschockt und traurig meine Leiche mit Steinen zu bedecken.

Begegnung im Seelenreich

Mein Bruder und ich betrauern gemeinsam die schöne Zeit, die wir nicht gehabt haben.

Ich betrauere meine Unfähigkeit, mit meinen starken Emotionen umgehen zu können, und mein Festhalten an meiner unglücklichen Liebe. „Wenn ich nicht das bekomme, was ich will, will ich lieber gar nichts!“ Dieser Trotz hat mir nicht das erste Mal eine unglückliche Inkarnation beschert.

Schliesslich rufe ich Mutter Maria herbei. Sie sagt: „Damals konntest du nicht mit deinen Emotionen umgehen, aber jetzt kannst du es!

Eine grosse Erleichterung durchflutet mich. Es ist tatsächlich vorbei, und ich kann inzwischen sogar anderen helfen, ihre Emotionen zu klären.

Erkenntnis

Als Indianer hatte ich drei Personen durch meine Verdrängung Schmerz zugefügt: Meinem Bruder, meiner Frau und meinen Kindern.

In meiner jetzigen Inkarnation hatte ich als Schwester, Ehefrau und Tochter mit verschlossenen Herzen wegen ungeheilten Verletzungen zu kämpfen, was mich in eine rechte Einsamkeit stürzte. Erst die Opferrolle ermöglichte mir, den Schmerz zu erkennen, den ich den anderen damals zugefügt hatte.

Von einer höheren Warte aus gesehen stand jedoch an, über die Einsamkeit in eine emotionale Unabhängigkeit zu finden und so die Opferrolle zu überwinden.

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