Die trügerische Gottesliebe

Maria hat sich nach langen Jahren von ihrem Guru getrennt. Sie hat eine fast „klassische“ Geschichte hinter sich: Als Kind konnten ihr die Eltern emotional nicht das geben, was sie brauchte. Bedürftig, wie sie war, klappte es mit den Männern auch nicht. Sie tat, was von der Liebe enttäuschte Menschen früher auch schon zu tun pflegten: Sie wandte sich Gott zu. Früher ging man ins Kloster, heute sucht man sich einen Guru.

Wenn schon die menschliche Liebe nicht funktioniert, müsste es doch mit Gott klappen! Doch der Guru, den sie für einen inkarnierten Meister gehalten hatte, war nicht „echt“. Er hatte jede Menge Macken, doch Maria brauchte in ihrer Vertrauensseligkeit Jahre, bis sie ihn durchschaute. Desgleichen gab es im Kloster, unter dem Deckmäntelchen der Lehre des Herrn, Machtgerangel und Manipulation. Das konnte dazu führen, dass die Gläubigen mit Gott zu hadern begannen und einmal mehr enttäuscht wurden.

Maria entdeckt schliesslich, mit über sechzig, die ihr innewohnende Göttlichkeit als ihr Geburtsrecht. Sie erlebt sich als Wesen voller Licht und Liebe – Eigenschaften, die sie bisher nur dem Guru oder Gott zugeschrieben hat. Sie hat ihre ganze Göttlichkeit nach aussen projiziert! Positive Projektion ist fast noch vertrackter als negative, weil man sich dabei von seinem Selbst-wert-Gefühl abschneidet.

Sie erkennt, dass sie ihre ganzen negativen Erfahrungen mit Menschen, Gurus und mit Gott aufgrund ihrer Glaubenssätze gemacht hat, z. B. „Ich bin nicht liebenswert“, oder „Ich muss mir Liebe verdienen“.

Zu einem erfüllten Leben gehört in meinen Augen beides: Eine gesunde Beziehung zu anderen Menschen wie zu Gott. Und auf beide wirken sich Glaubenssätze verheerend aus. Maria hat ihr negatives Muster, statt es zu ändern, einfach auf Gott angewandt, doch auch Gott kann unser Muster nicht brechen. Wir müssen es selber erkennen und loslassen wollen, dann hilft er uns dabei!

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